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Roger Federer hinterlässt Zweifel und Wehmut

MELBOURNE. Roger Federer verließ down under als geschlagener Mann. Zurück blieben viele Zweifel - gepaart mit einem Hauch von Wehmut. Und der Schweizer wusste um die Alarmstimmung, die seine Viersatz-Niederlage im Halbfinale der Australian Open gegen seinen Dauerrivalen Rafael Nadal (Spanien) ausgelöst hatte. «Seid nicht traurig. Entscheidend wird sein, wie ich jetzt reagiere», meinte Federer und lächelte gequält in die Runde der Journalisten.

Seine Ratlosigkeit konnte der Weltranglistendritte in den Momenten der bitteren Pleite trotz bester Absichten ebensowenig verhehlen wie den Frust. «Ich bin enttäuscht, aber ich habe eigentlich gut gespielt», erklärte der 30-Jährige und hatte zunächst keine Erklärung für das Aus. Die Zahlen sprechen mittlerweile eine deutliche Sprache und sie sprechen gegen Federer. 2010 holte er ausgerechnet im Melbourne Park seinen bislang letzten Grand-Slam-Titel. Das vergangene Jahr war für ihn die schlechteste Major-Saison seit 2002. Die Zeit scheint dem Rekordsieger augenscheinlich wegzulaufen, das «Nadal»-Trauma immer größer zu werden.

Den letzten Erfolg in einem Major-Tournament hatte Federer im Sommer 2007 im Finale von Wimbledon gegen Nadal gefeiert. Seither setzte es gegen den Linkshänder bei Grand Slams fünf Niederlagen - vier davon in Endspielen und am Donnerstag im Halbfinale von Melbourne. Nadal hat mittlerweile eine Bilanz von 18:9 Siegen gegen den «FedExpress». «Federer mag mit 16 Titeln der erfolgreichste Grand-Slam-Champion sein. Aber im ewigen Schlagabtausch mit Nadal hat dieser die Nase vorn», kommentierte die australische Tageszeitung The Courier Mail das Duell zwischen «Krieger» Nadal und dem «Meister» Federer.

Die Neue Zürcher Zeitung schrieb nach der neuerlichen Enttäuschung vom «Federer-Trauma». «Roger war in den ersten Runden der Australian Open so gut drauf, er gab keinen Satz ab, nichts schien ihn stoppen zu können. Aber dann kam die mentale Seite dazu. Die verheerende Bilanz gegen Rafael hat Federer gelähmt», urteilte der frühere australische Profi Todd Woodbridge und bezweifelt, ob der Vater von Zwillings-Töchtern irgendwann noch einmal einen großen Titel gewinnen kann.

Federer, der Mann für die Geschichtsbücher, bemühte den Blick in die Vergangenheit als Mutmacher für sich selbst und seine große Fangemeinde. Nach dem Halbfinal-K.o. bei den US Open 2011 gegen die neue Nummer eins Novak Djokovic (Serbien) hatte er eine Siegesserie gestartet und hintereinander die Turniere in Basel und Paris gewonnen, ehe der Coup beim Saisonabschluss-Tournament in London wie Balsam auf die Wunden wirkte. «Ich hoffe jetzt, dass ich eine ähnliche Reaktion auf das Ausscheiden bei den Australian Open zeigen kann», meinte Federer.

Allerdings schrumpft mit jeder Niederlage - besonders gegen Nadal - der Glaube an sich selbst. Federer hat in den letzten zwei Jahren Matches verloren, die er in seiner besten Zeit nie aus der Hand gegeben hätte. Gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga verspielte er in Wimbledon 2011 eine 2:0-Satzführung und schied im Viertelfinale aus. Zwei Monate später vergab er in Flushing Meadows zwei Matchbälle gegen Djokovic. Federer will nichts von der Götterdämmerung wissen und gibt sich trotzig: «Ich fühle mich noch fit und bin hungrig auf den Erfolg», sagte der Weltranglistendritte. Zweifel aber bleiben. (sid)

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